Dear Diary #1

Dear Diary,
unsere Deutschlehrerin sagte, es sei unnormal soetwas wie "Liebes Tagebuch" zu schreiben. Ich habe mich nicht sonderlich dazu geäußert, nur gesagt, dass das viele machen würden, und dass man es eher als komisch betrachten sollte, wenn man mit seinen Pflanzen spricht. (Ohne jetzt jemanden, der das liest, als komisch darzustellen...Wer weiß, vielleicht brauchen Pflanzen Zuneigung.) Was auch immer, ich wollte mit einigen Worten auch dieses Format erklären.
Das ist eine Mischung aus Wochenresumée, unvorhersebarem Zufallstext, der mir Spontan einfällt und Dinge, die ich einfach irgendwie loswerden muss. Ich führe kein privates Tagebuch, weil ich das eh nicht lange durchhalte, und das hier kommt mir eigentlich gerade recht. Jeden Samstag klingt akzeptabel.
Was eigentlich den Sonntag angeht: Da mache ich es den Religionen gleich, benutze ihn (unter Umständen vorübergehend) als Ruhetag. Vielleicht fällt mir ja noch was gutes ein.

Jetzt zum eigentlichen Tagebuchtext...Ich bin relativ ungeübt, ich schreibe jetzt einfach drauf los, ok?
 

Ich bin die ganze Zeit über ein ziemliches emotionales Wrack, die kleinsten Dinge können mich aus der Fassung bringen. Eines Abends fand ich meinen iPod nicht, ich war so verzweifelt, ich wollte mich umbringen. Mit sowas ist nicht zu spaßen, wobei ich das rückblickend mehr als nur armselig finde. Ich meine: ein iPod! Ansonsten quält mich jeden Tag der Gedanke, dass es bald um einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben geschehen könnte, das ist auch nicht sonderbar schön. 
Vorhin war ich auch 'mal wieder etwas' aus der Bahn geraten. Ich wollte Nägel in einen Kleiderbügel hauen, was aber nicht klappte. Die Nägel waren zu lang und zu meinem Bedauern hatte ich sie für Nichts unter langer Tortur angepinselt. (Ich habe für jeden verdammten Nagel eine Farbe gemischt und ihn dann mit einem fetten Pinsel angemalt, was nicht leicht ist. Außerdem habe ich Kopf und Rest in zwei verschieden Farben angemalt..Warte...warum erzähl ich das?) Also: Alle Arbeit für umsonst, nichts klappt und ich habe geweint. Richtig stark, nicht direkt wegen dem scheiß Kleiderbügel, das alles hat mich nur verdächtig stark an mein Leben erinnert: Ich steigere mich in etwas hinein, gebe mir Mühe, dann klappt es nicht, weil es zu viel ist und ich bemerke, dass alle Mühe für umsonst ist.
Das ist und war oft bzw. immer so und wenn ich so überlege, bin ich ein echter Versager. Das behaupten vielleicht viele von sich, aber ich tu dies mit besonderer Sicherheit. Ich bin ein Versager, der sich sein Leben einbildet, mit der Realität nicht klar kommt und sein Leben in seinem inneren voller Neid und Selbstmitleid verbringt. Also: Eindeutig Versager.
Naja...aber die Geschichte mit dem Kleiderbügel geht noch weiter. Ich habe kürzere Nägel genommen, und mit denen ging es dann. Wenn auch bisschen schwer, weil sie so kurz waren, aber am Ende hat es gut gehalten. Dann habe ich jeweils nur die Köpfe angemalt, und mich damit zufrieden gegeben, es reicht schon. Im Nachhinein bin ich echt glücklich, weil es gut aussieht. (Ich habe mir einen Kettenhalter gebastelt, nur so btw.)
Die ganze Kleiderbügelgeschichte ist meiner Meinung nach eine schöne Metapher. Vielleicht sollte ich den letzten Teil bedenken, und dann könnte er sich auch auf mein Leben übertragen.
Weniger nehmen, selbst wenn's schwerer ist, aber dann klappts und auch nur das Nötigste geben und zufrieden sein. Und dann, betrachtend, findet man alles gut und schön. - Klingt recht nett, nicht wahr?

1 Kommentar:

  1. So wie dir mit dem Kleiderbügel geht es mir auch ständig bei anderen Sachen. Oft stelle ich mir etwas so schön vor und dann klappt es nicht oder wird versaut und dann kann ich mir die Tränen nicht mehr zurückhalten. Dabei sind es nur Kleinigkeiten, aber vielleicht liegt es auch daran, dass diese ganzen Kleinigkeiten plötzlich alle zusammen kommen und ganz groß werden.
    Aber irgendwann kommt dann wieder dieser Moment, in dem doch etwas klappt und das ist wirklich schön.

    Alles Liebe
    Luisa

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